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China extrahiert effizient Wasser aus Mondstaub – eine technologisch revolutionäre Idee

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China hat offenbar einen Durchbruch erzielt: Forscher:innen haben eine Methode entwickelt, mit der sich Wasser direkt aus Mondstaub gewinnen lässt – und das mit ungeahnter Effizienz. Der Begriff „Wasser aus Mondstaub“ hat dadurch eine ganz neue wissenschaftliche Bedeutung erhalten.

Hintergrund: Mondwasser, Chang’e 5 und die Suche nach Ressourcen

Schon lange hegte man die Hoffnung, dass der Mond Wasser enthält – etwa in Form von Eis an den Polen oder gebunden in Mineralen durch den Sonnenwind. Erst mit der Rückkehr der Chang’e-5-Mission im Dezember 2020, der ersten Mondproben-Rückführung seit über 40 Jahren, wurde klar: Die Bodenproben enthalten tatsächlich hydroxyl‑ bzw. wasserreiche Mineralphasen, darunter hydroxyapatit mit einem mittleren Gehalt von etwa 28,5 ppm, also 0,00285 % (Su et al., 2022).

Zusätzlich wurde ein hydratisiertes Salz – (NH₄)MgCl₃·6H₂O – mit rund 41 Gewichts-% H₂O entdeckt, das verblüffenderweise selbst in sonnenbeschienenen Regionen des Mondes erhalten bleibt (Jin et al., 2023).

Die neue Technologie: Photothermal‑Katalyse in einem Schritt

Die jüngste Veröffentlichung – erschienen Mitte Juli 2025 in der Fachzeitschrift Joule – beschreibt, wie Forscher:innen unter Leitung von Lu Wang, Universität Hong Kong, eine revolutionäre Methode demonstrierten: In einem geschlossenen Reaktor erhitzt man reales Chang’e-5-Mondstaubmaterial auf etwa 250 °C mit konzentriertem Sonnenlicht, in Gegenwart von CO₂. Dabei wird Wasserdampf freigesetzt, der unmittelbar katalytisch mit CO₂ reagiert, wodurch O₂, H₂ und CO entstehen (Wang et al., 2025).

Die Innovation: Das Mondregolith selbst wirkt als Katalysator – ohne zusätzliche chemische Zusätze. „Wir hätten nie die ‚Magie‘ erwartet, die der Mondboden besitzt“, sagt Wang (Wang et al., 2025).

Quantität: So viel Wasser aus Mondstaub

Parallel arbeitete ein Team um Prof. Wang Junqiang am NIMTE. Sie zeigten, dass bei Temperaturen über 1 200 K etwa 51–76 mg Wasser pro Gramm Ilmenit-reichen Regoliths erzeugt werden kann (Pengin, 2024). Eine Tonne Mondstaub könnte somit über 50 kg Wasser liefern – genug Trinkwasser für etwa 50 Menschen pro Tag. Das Potenzial für die Gewinnung von Wasser aus Mondstaub ist damit enorm.

Probleme und Herausforderungen

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse warnen Wissenschaftler:innen: Auf dem Mond herrschen extreme Bedingungen – Vakuum, starke Temperaturvariationen, Mikrogravitation und Strahlung –, die im Labor kaum vollständig simuliert werden können (Metzger, 2025).

Zudem kann das Verfahren auf der Mondoberfläche anders funktionieren als im Reaktor auf der Erde. Die Integration von Sonnenlichtsammlern, Reaktorkammern und CO₂-Zufuhr müsste unter harschen Bedingungen robust umgesetzt werden (Howarth, 2025).

Lösungen und Perspektiven

Ein Systementwurf sieht vor, die Atemluft von Astronauten in Form von CO₂ nachts einzufrieren und tagsüber in den photothermalen Reaktor einzuspeisen. Zusammen mit lokal gewonnenem Mondstaub entsteht Wasser, Sauerstoff und Brennstoff – ohne externe Lieferungen von der Erde (ZME Science, 2025).

China plant, bis 2035 ein Basis-Modul für eine Mondstation am Südpol zu errichten. Diese soll durch Technologien zur lokalen Ressourcennutzung, etwa zur Gewinnung von Wasser aus Mondstaub, autark versorgt werden (Reuters, 2024).

Wasser aus Mondstaub: Bedeutung für die Zukunft

Für die Raumfahrt ist Wasser eines der teuersten Güter: Der Transport kostet bis zu 22 000 USD pro Liter (Howarth, 2025). Lokale Wasserproduktion aus Mondstaub könnte nicht nur Versorgungssicherheit schaffen, sondern auch den Weg zur permanenten Besiedlung ebnen.

Im globalen Wettlauf um den Mond setzt China mit dieser Entwicklung ein Ausrufezeichen. Denn: Wer Wasser kontrolliert, kontrolliert langfristig auch die Möglichkeit, Treibstoff und Lebenserhaltungssysteme aufzubauen.

Fazit

Chinas Entwicklung zur Gewinnung von Wasser aus Mondstaub könnte die Raumfahrt dauerhaft verändern. Effizient, ressourcenschonend und technologisch visionär zeigt sie, wie Zukunft durch Wissenschaft real werden kann. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob sich diese Technologie auch im harschen Umfeld des Mondes bewähren kann.

Quellenverzeichnis

Howarth, T., 2025. Wasser aus Mondstaub We may finally have an easy way to make water on the Moon. Science Focus. Available at: https://www.sciencefocus.com/news/water-moon-soil [Accessed 29 Jul. 2025].

Jin, S. et al., 2023. Wasser aus Mondstaub Evidence of a hydrated mineral enriched in water and ammonium molecules in the Chang’e-5 lunar sample. arXiv. Available at: https://arxiv.org/abs/2305.05263 [Accessed 29 Jul. 2025].

Metzger, P., 2025. Challenges in applying ISRU technologies on the lunar surface. Space.com. Available at: https://www.space.com/astronomy/moon/scientists-extracted-water-and-oxygen-from-moon-dust-using-sunlight-could-it-work-on-the-lunar-surface [Accessed 29 Jul. 2025].

Pengin, D., 2024. Chinese scientists devise method to get water from the moon’s surface. South China Morning Post. Available at: https://www.scmp.com/news/china/science/article/3275521/chinese-scientists-devise-method-get-water-moons-surface [Accessed 29 Jul. 2025].

Reuters, 2024. Chinese scientists use lunar soil to produce water, state media reports. Reuters. Available at: https://www.reuters.com/science/chinese-scientists-use-lunar-soil-produce-water-state-media-reports-2024-08-22 [Accessed 29 Jul. 2025].

Su, Y. et al., 2022. Wasser aus Mondstaub In situ detection of water on the Moon by the Chang’E-5 lander. Nature Communications, 13, p.3119. Available at: https://www.nature.com/articles/s41467-022-30807-5 [Accessed 29 Jul. 2025].

Wang, L. et al., 2025. Sunlight-driven integrated extraction of oxygen and hydrogen from lunar soil and CO2. Joule (preprint summary via Dig.watch). Available at: https://dig.watch/updates/chinese-scientists-develop-new-method-to-turn-moon-dust-into-fuel [Accessed 29 Jul. 2025].

ZME Science, 2025. Scientists just figured out how to turn moon dirt into water and oxygen just using sunlight. Available at: https://www.zmescience.com/space/scientists-just-figured-out-how-to-turn-moon-dirt-into-water-and-oxygen-just-using-sunlight [Accessed 29 Jul. 2025].

 

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