Erneuerbare Energien deutlich günstiger als fossile. Es ist ein Wendepunkt in der Geschichte der Energieversorgung. Laut einer neuen Studie der International Renewable Energy Agency (IRENA) waren im Jahr 2024 ganze 91 Prozent der weltweit neu installierten erneuerbaren Kraftwerke günstiger als neue fossile Alternativen (IRENA 2025a). Solarenergie, Windkraft und Wasserkraft sind damit nicht länger nur klimafreundlich, sondern auch ökonomisch unschlagbar. Eine Erkenntnis, die das Fundament der globalen Energiepolitik erschüttert.
Erneuerbare Energien deutlich günstiger : Der beispiellose Preisverfall bei grüner Energie
Seit 2010 sind die Kosten für Photovoltaik um bis zu 90 Prozent gefallen, für Windenergie um rund 70 Prozent (IRENA 2024). Dieser dramatische Preisverfall ist Ergebnis technologischer Innovationen, globaler Skalierung und sinkender Materialkosten. Der sogenannte Levelised Cost of Electricity (LCOE) – die Stromgestehungskosten – für neue Photovoltaik-Anlagen lag 2023 bei nur 4,3 US-Cent pro Kilowattstunde, bei Windenergie an Land sogar nur bei 3,4 Cent (IRENA 2024).
Damit sind diese Technologien 41 bis 53 Prozent günstiger als die billigste fossile Alternative. Das ist nicht nur eine gute Nachricht für die Umwelt, sondern auch für staatliche Haushalte: Allein 2023 sparten die durch erneuerbare Projekte vermiedenen fossilen Brennstoffkosten weltweit rund 409 Milliarden US-Dollar ein (IRENA 2025a).
UN lobt „wirtschaftlichen Klimadurchbruch“
UN-Generalsekretär António Guterres bezeichnete die Ergebnisse der IRENA-Analyse als „wirtschaftlichen Klimadurchbruch“. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP erklärte er, fossile Energien hätten ihren Zenit überschritten: „Fossile Brennstoffe laufen aus der Zeit“ (The Guardian 2025).
Bereits 2023 waren 81 Prozent aller neuen Erneuerbare-Energien-Projekte weltweit günstiger als fossile Alternativen (IRENA 2025b). 2024 kletterte dieser Anteil auf 91 Prozent. Für Experten ein klares Signal: Die globalen Energiemärkte folgen nun nicht mehr nur ethischen oder ökologischen Motiven, sondern rein wirtschaftlicher Logik.
Wer profitiert von der Entwicklung?
Die Kostendynamik verändert die Spielregeln für Investoren, Energieversorger und Verbraucher. Unternehmen, die auf erneuerbare Energien setzen, erhalten planbarere Betriebs- und Wartungskosten, während Verbraucher langfristig von stabileren Strompreisen profitieren. Gleichzeitig reduzieren Länder ihre Abhängigkeit von fossilen Importen und verbessern ihre Energiesouveränität.
Auch die globale Entwicklungsagenda profitiert. „Saubere Energien sind nicht länger ein Luxusgut für reiche Länder“, betont Francesco La Camera, Generaldirektor von IRENA. In Schwellenländern könnten Mini-Grids, PV-Projekte und dezentrale Windkraftanlagen schon bald die Grundversorgung sichern – vorausgesetzt, die Finanzierungskosten sinken.
Die großen Hürden: Finanzierung und Infrastruktur
Doch genau hier liegt ein zentrales Problem. Laut IRENA können hohe Finanzierungskosten in Entwicklungs- und Schwellenländern den Ausbau erneuerbarer Energien massiv behindern. In Teilen Afrikas und Asiens liegen die Kapitalkosten bei bis zu 12 Prozent, während sie in Europa oft unter 4 Prozent betragen (IRENA 2025a).
Zudem verhindern vielerorts veraltete Stromnetze, Bürokratie und langwierige Genehmigungsverfahren einen schnellen Anschluss neuer Anlagen. In Deutschland etwa müssen Projektträger mit durchschnittlich sechs bis acht Jahren von Antragstellung bis zur Inbetriebnahme rechnen.
Erneuerbare Energien deutlich günstiger : Globale Investitionsflüsse in Bewegung
Laut BloombergNEF und Reuters werden die Kosten für Erneuerbare Energien deutlich günstiger und bis 2035 um weitere 22 bis 49 Prozent sinken (Reuters 2025). Bereits 2024 floss weltweit mehr als eine Billion US-Dollar in den Sektor der erneuerbaren Energien – deutlich mehr als in fossile Technologien (Euronews 2025).
Vor allem asiatische und lateinamerikanische Staaten verzeichnen aktuell das stärkste Wachstum. China, Indien, Vietnam und Brasilien investieren in große Windparks, Solarfarmen und Speichertechnologien. In Europa hingegen kämpfen viele Projekte mit Standortkonflikten, Genehmigungsstau und politischen Blockaden.
Was getan werden muss
Die IRENA-Studie fordert daher gezielte politische Maßnahmen:
- Schnellere Genehmigungsprozesse für Wind- und Solarparks
- Stärkere internationale Entwicklungsfinanzierung
- Ausbau smarter Netze und Speicherinfrastruktur
- Abbau fossiler Subventionen und Umleitung der Mittel in erneuerbare Sektoren
Zudem müsse die Produktion kritischer Komponenten wie Solarpanels, Batterien und Wechselrichter global diversifiziert werden, um geopolitische Abhängigkeiten zu reduzieren.
Fazit: Der Markt spricht eine klare Sprache
Die Energiezukunft ist nicht nur eine Frage des Willens, sondern zunehmend eine Frage des Verstandes. Die Studie der IRENA zeigt: Wer heute noch auf fossile Energien setzt, handelt nicht nur gegen das Klima, sondern gegen die wirtschaftliche Vernunft.
Für Verbraucher, Investoren und politische Entscheidungsträger gilt daher: Der Kipppunkt ist erreicht. Jetzt entscheidet nicht mehr nur das Gewissen – jetzt entscheidet der Preis.
Quellen
Euronews (2025) Erneuerbare Energien deutlich günstiger More than 90% of new renewable energy projects are now cheaper than fossil fuels, study shows, Euronews.green, 22. Juli. Verfügbar unter: https://www.euronews.com/green/2025/07/22/more-than-90-of-new-renewable-energy-projects-are-now-cheaper-than-fossil-fuels-study-show (Zugriff am 29.07.2025).
IRENA (2024) Renewable Power Generation Costs in 2023. Abu Dhabi: International Renewable Energy Agency. Verfügbar unter: https://www.irena.org/Publications/2024/Sep/Renewable-Power-Generation-Costs-in-2023 (Zugriff am 29.07.2025).
IRENA (2025a) Erneuerbare Energien deutlich günstiger 91 Percent of New Renewable Projects Now Cheaper Than Fossil Fuels Alternatives, Pressemitteilung vom 22. Juli. Verfügbar unter: https://www.irena.org/News/pressreleases/2025/Jul/91-Percent-of-New-Renewable-Projects-Now-Cheaper-Than-Fossil-Fuels-Alternatives (Zugriff am 29.07.2025).
IRENA (2025b) Record Growth Drives Cost Advantage of Renewable Power, 26. September. Verfügbar unter: https://www.irena.org/News/pressreleases/2024/Sep/Record-Growth-Drives-Cost-Advantage-of-Renewable-Power (Zugriff am 29.07.2025).
Reuters (2025) Erneuerbare Energien deutlich günstiger Clean energy costs continue to fall this year, report says, 6. Februar. Verfügbar unter: https://www.reuters.com/sustainability/clean-energy-costs-continue-fall-this-year-report-says-2025-02-06 (Zugriff am 29.07.2025).
The Guardian (2025) World on brink of climate breakthrough as fossil fuels ‚run out of road‘, UN chief says, 22. Juli. Verfügbar unter: https://www.theguardian.com/environment/2025/jul/22/antonio-guterres-climate-breakthrough-clean-energy-fossil-fuels (Zugriff am 29.07.2025).
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