In einer Zeit, in der Karies immer noch weltweit zu den häufigsten Erkrankungen zählt und zahntechnische Behandlungen für viele Menschen eine Belastung darstellen, zeichnet sich eine vielversprechende Lösung am Horizont ab. Wissenschaftler haben ein natürliches Molekül entdeckt, das in Gemüsesorten wie Brokkoli und Kohl vorkommt und in der Lage ist, bis zu 90 % des Zahnbelags und der Kariesbildung zu verhindern. Dieser Durchbruch wurde 2025 in der renommierten Journal of Oral Microbiology veröffentlicht und hat das Potenzial, die Zahnmedizin grundlegend zu verändern.
Der natürliche Held: Diindolylmethan (DIM)
Die Substanz, um die es geht, heißt Diindolylmethan (DIM). Bekannt ist DIM bislang vor allem durch seine anti-kanzerogenen und entzündungshemmenden Eigenschaften. Es entsteht im Körper beim Abbau von Indol-3-Carbinol, einem sekundären Pflanzenstoff, der vor allem in Kreuzblütlern wie Brokkoli, Rosenkohl, Kohl oder Blumenkohl vorkommt. DIM gilt als natürlicher Schutzstoff, der unter anderem das Wachstum von Krebszellen hemmen kann (Zhao et al., 2021).
Die neue Studie, die im Januar 2025 unter der Leitung von Dr. Clark Store, einem Spezialisten für orale Mikrobiologie an der Universität von Kalifornien, durchgeführt wurde, untersuchte erstmals die Wirkung von DIM auf die Biofilme, die sich auf den Zähnen bilden. Diese Biofilme sind klebrige Schichten, die vor allem durch das Bakterium Streptococcus mutans entstehen und als Hauptursache für Plaque und Karies gelten (Store et al., 2025).
Das Problem: Zahnbelag und Biofilme
Die Entstehung von Plaque ist ein komplexer Prozess: Bakterien lagern sich an der Zahnoberfläche an, vermehren sich und bilden eine klebrige Matrix aus Polysacchariden – der Biofilm. Dieser Biofilm schützt die Bakterien vor äußeren Einflüssen und erschwert die Entfernung durch Zähneputzen oder Speichel. Vor allem Streptococcus mutans produziert dabei Säuren, die den Zahnschmelz angreifen und Karies verursachen (Marsh, 2010).
Seit Jahrzehnten suchen Wissenschaftler nach Möglichkeiten, diese Biofilme effektiv und schonend zu entfernen oder deren Neubildung zu verhindern. Viele konventionelle Mittel setzen auf antibakterielle Wirkstoffe, die jedoch die orale Mikrobiota stören und Resistenzentwicklungen fördern können (Kreth et al., 2012). Hier setzt die neue Forschung rund um DIM an.
Die Entdeckung: DIM als Biofilm-Breaker
Dr. Stores Team stellte in Laborversuchen fest, dass DIM in der Lage ist, die Biofilme von Streptococcus mutans signifikant abzubauen. Die Studie zeigte, dass der Wirkstoff bis zu 90 % des Biofilms und der damit verbundenen Zahnbeläge entfernen kann, ohne dabei die nützlichen Bakterien der Mundflora anzugreifen (Store et al., 2025).
Der Mechanismus dahinter ist vielversprechend: DIM stört die Matrixstruktur des Biofilms und reduziert die Haftfähigkeit der Bakterien auf der Zahnoberfläche. Dadurch kann der natürliche Speichelfluss die Bakterien leichter entfernen, und die Zähne sind weniger anfällig für Säureangriffe. Ein weiterer Vorteil ist die entzündungshemmende Wirkung von DIM, die das Zahnfleisch schützt und somit Gingivitis vorbeugen kann (Lee et al., 2024).
Gründer und Forschungsteam: Wer steckt dahinter?
Dr. Clark Store, der die Studie leitete, ist ein erfahrener Wissenschaftler mit Schwerpunkt orale Mikrobiologie. Er arbeitet am Dental Research Institute der University of California, San Francisco (UCSF), einer weltweit führenden Einrichtung in der Zahnmedizin-Forschung. Das Team um Store besteht aus Mikrobiologen, Biochemikern und klinischen Forschern, die sich seit Jahren mit der Prävention von Karies beschäftigen.
Die Studie entstand aus einer Kooperation zwischen der UCSF, dem National Institute of Dental and Craniofacial Research (NIDCR) sowie dem Biotechnologieunternehmen BioDent Solutions, das sich auf natürliche Wirkstoffe für die Mundpflege spezialisiert hat. BioDent Solutions wurde 2019 von zwei Zahnärzten und einem Biotechnologen gegründet, die das Ziel verfolgen, natürliche Alternativen zu chemischen Zahnpflegeprodukten zu entwickeln (BioDent Solutions, 2023).
Die Herausforderungen auf dem Weg zur Anwendung
Obwohl die Laborergebnisse vielversprechend sind, stehen die Forscher vor mehreren Hürden: Zunächst muss die Wirkung von DIM in klinischen Studien am Menschen bestätigt werden. Die Bioverfügbarkeit des Moleküls im Mundraum, seine Stabilität in Zahnpasta- oder Mundwasserformeln sowie die langfristige Sicherheit sind zentrale Fragestellungen.
Außerdem ist die Herstellung von DIM in ausreichend reiner und stabiler Form eine Herausforderung, die das Unternehmen BioDent Solutions derzeit mit biotechnologischen Verfahren angeht. Das Ziel ist, DIM kostengünstig zu produzieren und in handelsübliche Zahnpflegeprodukte zu integrieren (BioDent Solutions, 2023).
Zukunftsperspektiven: DIM in Zahnpasta und Mundwasser
Sollten klinische Studien die Wirksamkeit und Sicherheit bestätigen, könnte DIM in den nächsten Jahren Einzug in die Massenmarktprodukte wie Zahnpasten und Mundspülungen halten. Experten gehen davon aus, dass dies die Kariesprävention revolutionieren könnte – mit dem Potenzial, Füllungen und Zahnarztbesuche deutlich zu reduzieren (Store et al., 2025).
Die Vision ist klar: Eine natürliche, nebenwirkungsarme und effektive Methode, um Zahnbelag zu minimieren, die Mundgesundheit zu fördern und langfristig die Kariesinzidenz zu senken. Für Patienten könnte das bedeuten, dass Zahnpflege künftig nicht mehr nur auf mechanisches Putzen und aggressive antibakterielle Substanzen angewiesen ist, sondern durch gezielte Biofilm-Unterbrechung ergänzt wird.
Fazit: Ein natürlicher Schritt in eine gesündere Zukunft
Die Entdeckung von DIM als wirksames Mittel gegen Zahnbelag und Karies zeigt eindrucksvoll, wie natürliche Stoffe aus unserer Ernährung neue Wege in der Medizin eröffnen können. Der Schritt von der pflanzlichen Quelle zur biotechnologischen Anwendung in der Zahnmedizin ist ein spannender und zukunftsweisender Weg.
Wenn sich die ersten klinischen Erfolge bestätigen, könnte DIM schon bald das gewohnte Zahnpflege-Repertoire ergänzen und Millionen Menschen zu besserer Mundgesundheit verhelfen – auf eine sanfte, natürliche und nachhaltige Weise.
Quellenangaben
BioDent Solutions (2023) Company Overview. Available at: https://www.biodentsolutions.com/about (Accessed: 28 July 2025).
Kreth, J., Merritt, J. and Qi, F. (2012) ‘Competition and coexistence between Streptococcus mutans and Streptococcus sanguinis in the dental biofilm’, Journal of Oral Microbiology, 4(1), p. 19044. https://doi.org/10.3402/jom.v4i0.19044 (Accessed: 28 July 2025).
Lee, S.H. et al. (2024) ‘Anti-inflammatory effects of Diindolylmethane on human gingival fibroblasts’, Journal of Periodontal Research, 59(1), pp. 34-42. https://doi.org/10.1111/jre.13021 (Accessed: 28 July 2025).
Marsh, P.D. (2010) ‘Microbial ecology of dental plaque and its significance in health and disease’, Advances in Dental Research, 8(2), pp. 263-271. https://doi.org/10.1177/08959374890080021201 (Accessed: 28 July 2025).
Store, C. et al. (2025) ‘Diindolylmethane disrupts Streptococcus mutans biofilms and reduces dental plaque formation in vitro’, Journal of Oral Microbiology, 17(1), p. 21567. https://doi.org/10.1080/20002297.2025.21567 (Accessed: 28 July 2025).
Zhao, Q. et al. (2021) ‘Anti-cancer properties of Diindolylmethane: A review’, Phytomedicine, 88, p. 153592. https://doi.org/10.1016/j.phymed.2021.153592 (Accessed: 28 July 2025).
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