In einer Gesellschaft, in der Wohlstand und soziale Teilhabe nicht immer gleich verteilt sind, sind Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien häufig benachteiligt. Sie können sich oft nicht an den sozialen Aktivitäten beteiligen, die für ihre Altersgruppe selbstverständlich sind, wie etwa Freizeitgestaltung, Sport oder gemeinsames Ausgehen. Ein Projekt, das versucht, diese Ungleichheit zu verringern und Jugendlichen zu mehr Teilhabe zu verhelfen, sind Taschengeldbörse, die 2011 in Berlin ins Leben gerufen wurde.
Das Problem: Finanzielle Ungleichheit bei Jugendlichen
In Deutschland gibt es eine erhebliche Kluft zwischen Jugendlichen aus wohlhabenden und einkommensschwachen Familien. Für die betroffenen Jugendlichen sind Freizeitmöglichkeiten, wie der Besuch eines Kinos oder eines Freizeitparks, oft unerschwinglich. Hinzu kommt die soziale Isolation, die entsteht, wenn Kinder nicht an den Aktivitäten ihrer Mitschüler und Freunde teilnehmen können. Es fehlt an einem finanziellen Puffer, der es ermöglicht, am sozialen Leben teilzuhaben und Erfahrungen zu sammeln, die für die persönliche Entwicklung wichtig sind.
Dies führt nicht nur zu einem Mangel an Freizeitgestaltung, sondern auch zu einer Entfremdung von gesellschaftlichen Prozessen und einer Verstärkung sozialer Ungleichheit. Während Kinder aus wohlhabenden Familien selbstverständlich in sozialen Gruppen integriert werden können, sehen sich viele Jugendliche aus armen Verhältnissen mit einer ständigen Benachteiligung konfrontiert. Diese Ungleichheit im Zugang zu sozialen und kulturellen Angeboten trägt dazu bei, dass der Kreislauf der Armut über Generationen hinweg fortgesetzt wird.
Die Lösung: Die Taschengeldbörse
Die Taschengeldbörse ist eine innovative Initiative, die versucht, diese soziale Kluft zu überwinden, indem sie Jugendlichen in schwierigen finanziellen Verhältnissen hilft, durch kleine Arbeitsaufträge Taschengeld zu verdienen. Die Jugendlichen können Aufgaben übernehmen, wie etwa Nachhilfe geben, Einkäufe erledigen oder für ältere Nachbarn einkaufen. Dieses verdiente Taschengeld gibt ihnen nicht nur die Möglichkeit, am sozialen Leben teilzuhaben, sondern fördert auch ihr Selbstbewusstsein und ihre sozialen Kompetenzen.
Das Konzept der Taschengeldbörse ist einfach: Kinder und Jugendliche können sich registrieren, ihre Fähigkeiten und Interessen angeben und dann gezielt nach Aufgaben suchen, die sie erledigen können. Die Bezahlung erfolgt in Form von Taschengeld, das die Jugendlichen für ihre geleistete Arbeit erhalten. Diese zusätzlichen Einkünfte ermöglichen es ihnen, an Freizeitaktivitäten teilzunehmen oder sich Dinge zu kaufen, die sonst nicht im Budget enthalten wären.
Entstehung und Entwicklung der Taschengeldbörse
Das Projekt wurde 2011 von der Berliner Berliner Stadtmission ins Leben gerufen. Ziel war es, den betroffenen Jugendlichen zu mehr sozialer Teilhabe zu verhelfen. Die Berliner Stadtmission, eine der ältesten sozialen Einrichtungen Berlins, ist in der Obdachlosenhilfe, der Arbeit mit Migranten und in der Jugendhilfe tätig. Das Projekt ist als eingetragener Verein organisiert und arbeitet eng mit lokalen Sozialarbeitern und Organisationen zusammen, um die Jugendlichen in den Prozess zu integrieren.
In den ersten Jahren war die Taschengeldbörse nur in Berlin aktiv, doch der Erfolg des Projekts führte dazu, dass es inzwischen in mehreren deutschen Städten umgesetzt wurde, darunter Hamburg und München. In Berlin hat die Taschengeldbörse mittlerweile über 1.000 Jugendliche erreicht und zahlreiche Aufgaben vermittelt.
Erfolgreiche Umsetzung und reale Beispiele
Die Wirkung der Taschengeldbörse lässt sich an vielen konkreten Beispielen festmachen. Ein eindrucksvolles Beispiel ist die Geschichte von Laura, einer 16-jährigen Schülerin aus Berlin. Laura lebt mit ihrer Mutter und ihrem jüngeren Bruder in einem sozialen Brennpunkt. Durch die Taschengeldbörse konnte sie kleine Nachhilfestunden für jüngere Kinder geben und dadurch eigenes Geld verdienen. Mit diesem Geld konnte sie sich neue Schulmaterialien und Kleidung kaufen, was ihr half, sich besser in der Schule und im sozialen Umfeld zu integrieren.
Ein weiteres Beispiel für den Erfolg der Taschengeldbörse ist die Kooperation mit lokalen Unternehmen. In München etwa stellt ein großer Blumenladen regelmäßig kleinere Aufgaben wie das Sortieren von Blumensträußen oder das Aushändigen von Bestellungen zur Verfügung. Jugendliche, die über die Taschengeldbörse angemeldet sind, übernehmen diese Aufgaben und verdienen zusätzliches Geld. Diese Form der Zusammenarbeit zwischen sozialen Projekten und der lokalen Wirtschaft bietet eine Win-win-Situation: Die Jugendlichen erhalten wertvolle Arbeitsmöglichkeiten, während die Unternehmen Unterstützung bei kleineren Aufgaben finden.
In Hamburg ist die Taschengeldbörse mittlerweile so etabliert, dass auch Schulen in benachteiligten Vierteln aktiv daran teilnehmen. Hier lernen die Jugendlichen nicht nur durch praktische Aufgaben, sondern auch durch das Gespräch mit Sozialarbeitern, wie wichtig es ist, Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv in der Gesellschaft einzubringen.
Bedeutung und Relevanz heute
In einer Zeit, in der soziale Ungleichheit immer mehr zunimmt, gewinnt die Taschengeldbörse an Bedeutung. Sie hilft, Kindern und Jugendlichen, die sonst von sozialen Aktivitäten ausgeschlossen wären, eine Stimme zu geben und ihnen die Möglichkeit zu bieten, sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen. Das Projekt stärkt nicht nur die soziale Integration, sondern fördert auch die berufliche und persönliche Entwicklung der Jugendlichen, die auf diese Weise Erfahrungen sammeln und Verantwortung übernehmen können.
Vor dem Hintergrund der wachsenden Armut und der sozialen Ausgrenzung von jungen Menschen in deutschen Großstädten zeigt das Projekt, wie effektiv es ist, benachteiligten Jugendlichen durch praktische Aufgaben und finanzielles Engagement eine Perspektive zu bieten. Besonders in Städten wie Berlin, Hamburg und München, in denen soziale Ungleichheit stark ausgeprägt ist, hat die Taschengeldbörse einen wertvollen Beitrag zur Integration und Chancengleichheit geleistet.
Fazit: Ein nachhaltiger Einfluss auf die Zukunft der Jugendlichen
Die Taschengeldbörse ist ein Paradebeispiel für ein erfolgreiches sozialwirtschaftliches Projekt, das konkret auf die Bedürfnisse von benachteiligten Jugendlichen eingeht und ihnen eine aktive Rolle in der Gesellschaft zuweist. Es ist ein Modell, das nicht nur kurzfristige Hilfe bietet, sondern auch langfristig zur persönlichen und sozialen Entwicklung beiträgt.
Mit der zunehmenden Verbreitung des Projekts in weiteren Städten und der wachsenden Unterstützung durch lokale Unternehmen und Institutionen ist zu erwarten, dass die Taschengeldbörse auch in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Förderung sozialer Integration und Chancengleichheit spielen wird.
Quellenangaben
- Berliner Stadtmission. (2021). Taschengeldbörse: Ein Projekt zur Förderung sozialer Teilhabe von Jugendlichen. URL: https://www.berliner-stadtmission.de
- Deutsches Institut für Normung (DIN). (2020). Soziale Integration von Jugendlichen in benachteiligten Stadtteilen. URL: https://www.din.de
- Jugendhilfe in Deutschland. (2019). Chancenungleichheit und sozialer Ausschluss. URL: https://www.jugendhilfe.de
- Stiftung Deutsche Jugendmarke. (2020). Initiativen zur Förderung von Jugendlichen. URL: https://www.deutsche-jugendmarke.de
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