Ein Kind, ein Brief und eine Vision:
Am 4. Juli 2019 erlebte die Stadt Erftstadt einen Verlust, der tief unter die Haut ging. Die zehnjährige Antonia von Ley verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit. Doch inmitten der Trauer hinterließ sie ein Vermächtnis, das Hoffnung und Tatkraft entfachte. Kurz vor ihrem Tod äußerte sie zwei Wünsche: „Mir geht es gut, kümmert euch um meine Geschwister!“ und „Warum verstehen die Menschen nicht, dass wir ohne Bäume alle sterben werden?“ (Focus Online, 2021).
Antonia hatte eine klare Vision: Sie wollte 100.000 Bäume pflanzen, um die Natur zu bewahren und die Menschen wieder für ihre Schönheit zu sensibilisieren. In einem Brief an Karl-Heinz Schulz vom städtischen Grünflächenamt schrieb sie: „Wir müssen zusammen mit der Stadt mit positivem Beispiel vorangehen, damit die Menschen wieder sehen, wie schön die Natur und Bäume sind!“ (Rundschau Online, 2021).
Die Geburt einer Initiative: „1000 Bäume für Erftstadt“
Nach Antonias Tod fanden ihre Eltern, Claudia und Florian von Ley, diesen Brief und beschlossen, den Wunsch ihrer Tochter in die Tat umzusetzen. Obwohl Antonia ursprünglich 100.000 Bäume pflanzen wollte, einigten sie sich auf ein zunächst realistischeres Ziel: 1000 Bäume für Erftstadt. Florian von Ley erinnerte sich: „Ich habe Antonia runtergehandelt, sie wollte eigentlich 100.000.“ (Kölner Stadt-Anzeiger, 2021).
Die Initiative „1000 Bäume für Erftstadt“ war geboren. Mit Unterstützung der Stadt und zahlreicher Bürgerinnen und Bürger begann eine Pflanzaktion, die nicht nur das Stadtbild verschönerte, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl stärkte. Bis heute wurden bereits über 800 Bäume gepflanzt, die nun gehegt und gepflegt werden (1000 Bäume für Erftstadt, 2024).
Gemeinschaftliches Engagement: Ein ganzes Dorf packt an
Die Resonanz auf Antonias Wunsch war überwältigend. Im Schlosspark Gracht wurden mehrere Bäume gepflanzt, darunter Blutbuchen, eine Esskastanie und ein Fächerblattbaum (Kölner Stadt-Anzeiger, 2021). Diese Aktionen waren nur der Anfang. In Zusammenarbeit mit dem Verein „Köttinger Dorfleben“ wurden weitere Schritte geplant, um die Aktion voranzutreiben und zu strukturieren.
Die Bürgerinnen und Bürger von Erftstadt zeigten eindrucksvoll, was gemeinschaftliches Engagement bewirken kann. Viele meldeten sich als Gießpaten, um die jungen Bäume in den ersten Jahren zu unterstützen (1000 Bäume für Erftstadt, 2024).
Nachhaltigkeit und Bildung: Mehr als nur Bäume pflanzen
Die Initiative beschränkt sich nicht nur auf das Pflanzen von Bäumen. Es geht auch darum, das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu schärfen. Schulen und Kindergärten wurden in die Aktionen eingebunden, um bereits den Jüngsten die Bedeutung von Bäumen und Natur näherzubringen.
Durch Workshops und Informationsveranstaltungen lernen Kinder und Erwachsene gleichermaßen, wie wichtig ein gesunder Baumbestand für das Klima und die Lebensqualität ist. Diese Bildungsarbeit trägt dazu bei, dass das Thema Umweltschutz langfristig in den Köpfen der Menschen verankert wird.
Erfolge und Ausblick: Ein Vermächtnis, das weiterlebt
Die Initiative „1000 Bäume für Erftstadt“ hat gezeigt, wie ein einzelner Wunsch eine ganze Stadt mobilisieren kann. Antonias Vermächtnis lebt in jedem gepflanzten Baum weiter und erinnert daran, wie wichtig es ist, aktiv zu werden und Verantwortung für unsere Umwelt zu übernehmen.
Die von Antonias Eltern gegründete Initiative hat mittlerweile über die Grenzen von Erftstadt hinaus Aufmerksamkeit erregt und dient anderen Gemeinden als Vorbild (Rheinische Anzeigenblätter, 2023).
Ein persönliches Vermächtnis mit globaler Botschaft
Antonias Geschichte ist ein bewegendes Beispiel dafür, wie persönliches Engagement und der Glaube an eine bessere Zukunft Veränderungen bewirken können. Ihr Wunsch, die Welt durch das Pflanzen von Bäumen zu einem besseren Ort zu machen, hat nicht nur ihre Heimatstadt Erftstadt bereichert, sondern auch Menschen weit über die Stadtgrenzen hinaus inspiriert.
In einer Zeit, in der Umweltthemen global diskutiert werden, erinnert uns Antonias Vermächtnis daran, dass jeder Einzelne einen Unterschied machen kann. Es zeigt, dass große Veränderungen oft mit kleinen Schritten beginnen und dass gemeinschaftliches Handeln eine kraftvolle Wirkung entfalten kann.
Quellen
1000 Bäume für Erftstadt (2024) Startseite der Initiative, verfügbar unter: https://www.1000baeume.net/ (Zugriff am 18. März 2025).
Focus Online (2021) Eltern finden nach Tod der Tochter Brief – ihr letzter Wunsch, verfügbar unter: https://www.focus.de/perspektiven/entwicklung-foerdern-klima-schuetzen/kaufen-sie-bitte-baeume-kurz-nach-tod-der-tochter-finden-eltern-brief-an-buergermeister-mit-letztem-wunsch_id_13260651.html (Zugriff am 18. März 2025).
Kölner Stadt-Anzeiger (2021) Traum der kleinen Antonia: Aktion „1000 Bäume für Erftstadt“ nimmt Fahrt auf, verfügbar unter: https://www.ksta.de/region/rhein-erft/erftstadt/traum-der-kleinen-antonia-aktion-1000-baeume-fuer-erftstadt-nimmt-fahrt-auf-213598 (Zugriff am 18. März 2025).
Rheinische Anzeigenblätter (2023) 1000 Bäume für Erftstadt – und DEINE Stadt: „Kein Recht aufzugeben“, verfügbar unter: https://www.rheinische-anzeigenblaetter.de/erftstadt/c-nachrichten/kein-recht-aufzugeben_a267098 (Zugriff am 18. März 2025).
Rundschau Online (2021) Pflanzaktion: „1000 Bäume für Erftstadt“ erfüllt letzten Wunsch eines Mädchens, verfügbar unter: https://www.rundschau-online.de/region/rhein-erft/erftstadt/pflanzaktion-1000-baeume-fuer-erftstadt-erfuellt-letzen-wunsch-eines-maedchens-212803 (Zugriff am 18. März 2025).
Facebook (2024) Seite der Initiative „1000 Bäume für Erftstadt“, verfügbar unter: https://www.facebook.com/1000BaeumefuerErftstadt/ (Zugriff am 18. März 2025).
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