Block Party auf dem Kiez: Wie Peter Fox mit kostenlosen Konzerten Berliner Brennpunkte belebt

Berlin, Sommer 2024: In den Abendstunden einer aufgeheizten Stadt versammeln sich Menschen in verschiedenen Kiezen, um gemeinsam Musik zu erleben. Was sie verbindet, ist die Einladung zu kostenlosen Konzerten des Berliner Künstlers Peter Fox. Mit seiner „Block Party“-Reihe bringt er Musik dorthin, wo sie oft fehlt – in die Brennpunkte der Hauptstadt. Doch was steckt hinter diesem Projekt, und wie kam es zustande?

Das Problem: Soziale Brennpunkte und fehlender Zusammenhalt

Berlin ist bekannt für seine kulturelle Vielfalt und Lebendigkeit. Doch hinter der glitzernden Fassade gibt es Stadtteile, die mit sozialen Herausforderungen kämpfen. In Vierteln wie Neukölln, Kreuzberg oder Marzahn leben Menschen unterschiedlichster Herkunft auf engem Raum zusammen. Oftmals führen wirtschaftliche Schwierigkeiten, Arbeitslosigkeit und fehlende Perspektiven zu Spannungen innerhalb der Gemeinschaften. Öffentliche Plätze, die einst Orte des Austauschs waren, werden gemieden, und das Gemeinschaftsgefühl schwindet.

Ein Beispiel hierfür ist das Columbiabad in Neukölln. In den vergangenen Jahren machte es weniger durch fröhliches Badevergnügen, sondern vielmehr durch gewalttätige Vorfälle Schlagzeilen. Sicherheitskräfte mussten mehrfach eingreifen, und das Bad wurde zeitweise geschlossen. Solche Ereignisse verstärken das negative Image dieser Orte und tragen zur weiteren Isolation der Bewohner bei.

Die Lösung: Musik als Brücke – Die Entstehung der „Block Party“

Vor diesem Hintergrund entstand die Idee zur „Block Party“. Hinter dem Projekt steht Peter Fox, bürgerlich Pierre Baigorry, ein Berliner Musiker, der als Mitglied der Band Seeed und mit seinem Soloalbum „Stadtaffe“ große Erfolge feierte. Geboren und aufgewachsen in Berlin, kennt er die Stadt und ihre Herausforderungen. Mit der „Block Party“ wollte er einen Beitrag zum sozialen Miteinander leisten und Musik als verbindendes Element nutzen.

Die Konzeption der Konzertreihe war ambitioniert: Auftritte in sogenannten Problemvierteln der Hauptstadt, direkt vor Ort, ohne Eintrittsbarrieren. Die Auswahl der Locations fiel bewusst auf Orte, die oft im negativen Licht stehen und bundesweite Bekanntheit erlangt haben. Zwischen den Sprungtürmen im Columbiabad, auf den Bolzplätzen vor dem Wohnpark Pallasseum und in den Grünanlagen des Görlitzer Parks sollten Bühnen entstehen, auf denen Menschen zusammenkommen und feiern können.

Die Umsetzung eines solchen Projekts war jedoch mit zahlreichen Herausforderungen verbunden. Die Planung der Konzerte steckte voller bürokratischer Hindernisse und ließ Zweifel aufkommen. Genehmigungen mussten eingeholt, Sicherheitskonzepte erstellt und Anwohner informiert werden. Doch trotz aller Widrigkeiten gelang es dem Team um Peter Fox, die Vision in die Realität umzusetzen.

Erfolgsgeschichten: Musik als Chance für Nachwuchstalente

Ein besonderer Aspekt der „Block Party“ war die Einbindung von Nachwuchskünstlern aus den jeweiligen Kiezen. Durch Hinweise lokaler Produzenten oder Streetworker sowie über soziale Medien wie TikTok wurden Talente entdeckt und gefördert. Drei von ihnen standen besonders im Fokus:

  • Kevin alias „44 Grad“: Geboren und aufgewachsen in Neukölln, arbeitet Kevin hauptberuflich als Erzieher. Seit seiner Jugend macht er Musik und begann mit Hip-Hop-Workshops im Jugendbereich. Die Teilnahme an der „Block Party“ bot ihm die Möglichkeit, seine Musik einem größeren Publikum zu präsentieren.

  • Cerin: Die 16-jährige Schülerin aus der Gropiusstadt mit libanesischen Wurzeln entdeckte früh ihre Leidenschaft für Musik. Für ihren Auftritt bei der „Block Party“ schrieb sie ihren ersten eigenen Song und zeigte damit, welches Potenzial in ihr steckt.

  • Nik: Seit seinem 17. Lebensjahr lebt Nik in Marzahn. Eine schwierige Kindheit prägte ihn, doch die Musik wurde zu seinem Zufluchtsort. Als Rapper und Produzent verarbeitet er seine Erlebnisse und fand durch die „Block Party“ eine Bühne, um seine Geschichten zu teilen.

Diese individuellen Geschichten zeigen, wie Musik als Ventil dienen und Menschen aus unterschiedlichen Hintergründen zusammenbringen kann. Die „Block Party“ bot nicht nur etablierten Künstlern eine Plattform, sondern förderte gezielt lokale Talente und stärkte somit das Gemeinschaftsgefühl in den Kiezen.

Ein Blick hinter die Kulissen: Die Dokumentation „Block Party – Peter Fox feiert mit Berlin“

Die gesamte Reise der „Block Party“ wurde von einem Filmteam begleitet. Unter der Regie von David Seeberg entstand ein 100-minütiger Konzert- und Dokumentarfilm, der ab dem 25. März 2025 in der ARD Mediathek verfügbar ist. Die Dokumentation vereint mitreißende Konzertaufnahmen mit authentischen Großstadtgeschichten und gibt einen tiefen Einblick in die Vorbereitung, Durchführung und die Auswirkungen des Projekts auf die beteiligten Personen und die Gemeinschaften.

Musik als Katalysator für sozialen Wandel

Die „Block Party“ von Peter Fox ist mehr als nur eine Konzertreihe. Sie ist ein Beispiel dafür, wie kulturelle Initiativen dazu beitragen können, soziale Barrieren zu überwinden und Gemeinschaften zu stärken. In einer Zeit, in der viele Menschen aneinander vorbeileben, zeigt dieses Projekt, dass Musik Menschen zusammenbringen und positive Veränderungen anstoßen kann. Es bleibt zu hoffen, dass ähnliche Initiativen auch in anderen Städten Schule machen und Kunst und Kultur als Mittel zur Förderung des sozialen Zusammenhalts genutzt werden.

Quellen

guteideen.org © 2025 by Gute Ideen ist lizenziert unter CC BY 4.0 . Kurz erklärt: Nutze alles und verlinke auf diesen Artikel. 

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